
Band 3 – Was bleibt, wenn der Tag geht
Ein Sommer voller Musik, unerwarteter Gefühle und jener Augenblicke, in denen sich das Leben für immer verändern kann.
In Kilmore Bay ist der Sommer eingezogen. Das kleine schottische Küstendorf bereitet sich auf ein Musikfestival vor, die Tage sind erfüllt von geschäftigem Treiben, und zwischen Hafen, Pub und Dorfplatz entstehen Geschichten, mit denen niemand gerechnet hat.
Auch für Isla Hawthorne hat sich vieles verändert. Die Menschen in Kilmore Bay sind zu einem festen Teil ihres Lebens geworden, ihre Arbeit als Ärztin erfüllt sie, und an der Seite von Francis Bennett entdeckt sie, wie schön es sein kann, einem anderen Menschen wieder ganz nahe zu sein.
Doch der Sommer hält mehr bereit als sonnige Tage und gemeinsame Abende.
Fiona, die sonst für jedes Problem eine Lösung findet und als Bürgermeisterin das Dorf fest im Griff hat, begegnet einem Menschen, der sie vollkommen aus dem Gleichgewicht bringt. Plötzlich steht sie vor Gefühlen, mit denen sie kaum umzugehen weiß.
Als ein Junge in den Highlands verschwindet, beteiligt sich das halbe Dorf an der Suche. Eine junge Frau versucht, ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen. Und als Isla eines Abends vergeblich auf Francis wartet, wächst mit jeder Minute ihre Sorge. Erneut muss sie erfahren, wie wenig sich das Leben kontrollieren lässt.
Während Kilmore Bay zwischen Freude und Sorge, neuen Liebesgeschichten und den Herausforderungen des Alltags zusammenhält, rückt das große Musikfestival näher.
Zwischen Liebe und Verlustangst, Hoffnung und Erinnerungen erzählt Kilmore Bay von Menschen, die einander Halt geben, und von einem Ort, an dem selbst die schwierigsten Tage gemeinsam getragen werden.
Ein Roman über Liebe in ihren vielen Formen, über Gemeinschaft und über die Menschen, durch die aus einem Ort längst ein Zuhause geworden ist.

„Das Gegenteil von Verlust ist, trotzdem noch einmal zu lieben.“
„Liebe heilt längst nicht alles. Und sie macht einen verletzlich. Aber sie gibt dem Alltag Gewicht. Man steht morgens auf und weiß, für wen man Kaffee mitmacht. Man kocht für zwei, kommt nach Hause und freut sich, dass jemand da ist. Irgendwann ist ein Haus dann mehr als ein Ort, an dem man wohnt, weil man darin miteinander lebt.“
Er atmete flacher, wartete, bis sich der Atem wieder fing.
„Du darfst nicht den Fehler machen zu glauben, dass du die Toten verrätst, wenn du weiterliebst. Viele tun das. Als müsste man den Schmerz treu bewachen, damit das Verlorene nicht kleiner wird. Aber Liebe wird nicht geehrt, indem man nach ihr nur noch halb lebt. Wer wirklich geliebt hat, würde nie wollen, dass aus seinem Verlust ein kaltes Leben wird.“
Jetzt liefen Isla die Tränen offen über die Wangen und sie wischte sie nicht fort.
„Deine Tochter wird nicht weniger dein Kind, weil du diese Frau liebst“, sagte McKenna. „Dein vergangenes Leben wird nicht ausgelöscht, nur weil dein Herz noch einmal aufgeht. Nichts von dem, was wahr war, wird kleiner, wenn etwas Neues hinzukommt.“
Er sah sie lange an.
„Die Jungen glauben oft, das Leben bestehe aus großen Momenten. Aus Entscheidungen und aus Aufbrüchen, aus Dingen, über die man später Geschichten erzählt. Aber wenn du alt bist, weißt du: Das Eigentliche war fast immer etwas anderes. Wer auf dich gewartet hat. Bei wem du weich sein durftest. In welchem Haus du die Schultern sinken lassen konntest. Wessen Schritt du erkannt hast. Wer deinen Namen so gesagt hat, dass du wusstest, du bist gemeint und nicht bloß gerufen.“

Ein Held bekommt, was ihm zusteht.
Ihr Blick ging zuerst zu Isla, dann auf den Tisch. Auf den Korb, die Würste, die Kauknochen, das Trockenfleisch und den Fleischbrocken. Schließlich zu Hutch, der mit seinem dunkelblauen Halstuch kauend vor dem Aga lag wie jemand, der sich seine Ehrung zwar nicht ausdrücklich gewünscht hatte, aber durchaus für angemessen hielt.
Francis sah das alles an, dann hob sie langsam die Brauen. „Gut“, sagte sie. „Ich war nur einen Arbeitstag weg und offenbar ist Hutch inzwischen Bürgermeister geworden.“
Isla musste sofort lachen.
Francis stellte die Tasche ab, zog die Jacke aus und trat näher an den Tisch. „Das hier“, sagte sie und deutete auf die Auslage, „sieht aus, als hätte jemand beschlossen, einen mittelgroßen Wolf durch den Winter zu bringen.“
„Fast“, sagte Isla.
Francis blickte zu Hutch hinunter. „Oder einen bereits ausreichend großen Hund noch korrupter zu machen, als er ohnehin schon ist.“
Hutch hob den Kopf und sah sie mit der unerschütterlichen Würde eines Wesens an, das sich keiner Korruption bewusst war.
„Frag nicht“, sagte Isla, noch immer mit diesem weichen Restlachen in der Stimme.
„Doch, unbedingt. Was ist hier los? Und warum trägt unser Hund ein Halstuch mit dem Ausdruck eines dekorierten Kriegsveteranen?“
Isla erzählte von Camerons Vater, Mrs. Kerr, der Wurst, dem Fleischbrocken und schließlich von Mairis Halstuch. Während sie sprach, wurde Francis stiller.
„Kilmore Bay“, sagte sie schließlich. „Das einzige Dorf, das einen Hund mit systematischer Proteinversorgung ehrt.“
„Es scheint ein sehr ernst gemeintes Konzept zu sein.“
Francis musterte Hutch noch einmal. „Er sieht aus, als sei er bereit, diese Verantwortung zu tragen.“

Draußen schlug ihr die klare Luft entgegen. Es war Ende Februar, kein richtiger Winter mehr, aber auch noch kein Frühling. Die Erde war dunkel vom Regen und das Gras wurde flachgedrückt vom Wind, der vom Meer herüberkam. Hutch lief ein paar Schritte voraus, blieb dann stehen und sah sich um, als müsste er prüfen, ob sie noch da war.
Isla folgte ihm den schmalen Weg hinunter, vorbei an den niedrigen Steinmauern, die sich durch die Landschaft zogen, als gehörten sie genauso zum Boden wie das Gras. Das Meer lag weiter draußen, grau und ruhig, nur in der Bewegung erkennbar.
Sie zog die Jacke ein wenig enger um sich. Der Wind griff danach, ließ dann wieder los.
Zurück in Kilmore Bay
Eigentlich sollte jetzt alles ruhiger werden. Doch in Kilmore Bay hält sich das Leben selten an Pläne.
Zwischen der neuen Praxis, alten Verletzungen, unerwarteten Entscheidungen und Menschen, die plötzlich wichtiger werden, als man je vorgesehen hatte, gerät Isla immer wieder an genau die Fragen, denen sie am liebsten ausweichen würde.
Und irgendwo zwischen Meer, Wind, Dorftratsch und Hutch beginnt sich etwas zu verändern.
Band 2 führt zurück nach Kilmore Bay – mit neuen Geschichten, neuen Entscheidungen und der leisen Ahnung, dass Ankommen manchmal erst der Anfang ist.


Wenn Sekunden entscheiden
Isla wollte in Kilmore Bay eigentlich nur eine kleine Praxis führen, Menschen versorgen und sich ein Leben aufbauen, das ruhiger ist als alles, was hinter ihr liegt.
Doch dann bringt ein außergewöhnlicher medizinischer Fall sie zurück in eine Welt, in der jede Entscheidung zählt. In Ardellan treffen Erfahrung, Zweifel und höchste Verantwortung aufeinander, und plötzlich wird sichtbar, wie viel von der außergewöhnlichen Chirurgin noch immer in ihr steckt.
Was für andere wie eine kaum lösbare Situation wirkt, wird für Isla zu einer Prüfung, bei der Wissen allein nicht reicht. Sie muss führen, entscheiden und Verantwortung übernehmen – ruhig, präzise und unter enormem Druck.
Und während Kilmore Bay sie längst als eine der Ihren betrachtet, beginnt auch außerhalb des Dorfes jemand zu begreifen, wer Isla Hawthorne wirklich ist.


Wenn einer von ihnen fehlt, fährt Kilmore Bay hinaus.
Ruairidh ist überfällig.
Zuerst ist da nur dieses leise Unbehagen, das niemand recht benennen will. Dann werden aus Minuten zu viele Minuten, aus Blicken aufs Meer werden Fragen, und irgendwann reicht Warten nicht mehr.
Die See ist rau, der Wind steht ungünstig, und jeder weiß, dass es draußen schnell gefährlich werden kann. Trotzdem fährt das Boot hinaus. Dougal am Steuer, Allistair an Deck, Isla, Francis und Hutch bei ihnen. Niemand macht daraus etwas Großes. Sie fahren einfach, weil einer von ihnen fehlt.
Dann taucht Ruairidhs Boot auf.
Leer.
Von diesem Moment an geht es nur noch darum, ihn zu finden.
Zwischen Wind, Gischt und hohen Wellen suchen sie weiter, obwohl das Meer längst deutlich macht, wie wenig es sich darum kümmert, wer auf ihm unterwegs ist. Sie gehen Risiken ein, die keiner von ihnen leichtfertig eingehen würde. Aber zurückfahren, solange Ruairidh irgendwo dort draußen sein könnte, kommt für sie genauso wenig infrage.
Und mitten in all dem zeigt sich wieder, was Kilmore Bay ausmacht: Menschen, die einander tragen, wenn es darauf ankommt. Ohne große Worte. Ohne zu fragen, ob es bequem oder vernünftig ist.
Eine der bewegendsten und intensivsten Szenen aus Band 2 – Wo das Leben bleibt.
